Die Bedeutung des Selhofer Feldes für den Klimaschutz
Auf dem Gebiet „Selhofer Feld“ – so wird die Fläche, die nun bebaut werden soll, von den Anwohnern seit jeher genannt – wurde bis vor einigen Jahrzehnten von den Anwohnern kleinparzellig Landwirtschaft betrieben. Vor allem wurde Obst angebaut, das in den Honnefer Marmeladenfabriken verarbeitet wurde.
Inzwischen hat sich auf den Flächen, die später ungenutzt blieben, Wald entwickelt. Andere Bereiche werden beweidet bzw. dienen als Schrebergärten.
Bezüglich des Klimawandels und der nötigen Klimafolgenanpassung sind diese offenen, unversiegelten Flächen für uns in Bad Honnef von sehr großer Bedeutung:
Waldböden können (abhängig von der Bodenbeschaffenheit) etwa 100 t Kohlenstoff pro Hektar speichern. Interessant ist, dass Wiesenflächen sogar die doppelte Menge CO₂ dauerhaft im Boden speichern können. Experimente („Das Jena-Experiment“) zeigen zudem, dass „artenreiches Grünland eine insgesamt höhere Biodiversität auch im Boden unterstützt und mehr Kohlenstoff speichert als artenarmes“ (Ulrike Aufderheide: Klimafest und artenreich – das Naturgartenprinzip, 2023).
So ist es wesentlich, die Wald- und vor allem die Wiesenflächen des Selhofer Feldes als CO₂-Speicher zu erhalten und dort eine Entwicklung der Artenvielfalt
zu fördern.
Für uns Menschen nicht weniger bedeutend ist die Tatsache, dass sich die Luft über Wiesen und Wäldern viel weniger aufheizt als über versiegelten bzw.
bebauten Flächen wie dem Rathaus-Vorplatz. In diesem Zusammenhang bietet der unbebaute Selhofer Süden an Hitzetagen allen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt eine kühle Oase.
Zu dem Thema „Hitze“ hat die Stadt bereits eine Broschüre mit Informationen zum Verhalten an heißen Tagen veröffentlicht: Mehr erfahren
Das Selhofer Feld wird dort aber nicht genannt – warum?!
Nicht nur durch Hitze, sondern auch durch Starkregen sind unsere Stadt und unsere Gesundheit gefährdet. Bebaute Flächen leiten Regenwasser vor allem
durch die Kanalisation ab. Bei Starkregen reicht die Kapazität des Rohrsystems jedoch oft nicht aus. Es drohen Überflutungen. Hinzu kommt, dass das
Abwasserwerk die zusätzlichen Wassermassen, die gemeinsam mit den Abwässern durch die Kanalisation abgeführt werden, nicht in dieser Menge
klären kann.
Die unbebaute Wiesen- und Waldlandschaft im Selhofer Süden wirkt also wie ein Schwamm und bietet so nicht nur einen effektiven Schutz gegen
Starkregen für die Stadt Bad Honnef, sondern füllt dadurch die Grundwasservorräte wieder auf, die sonst durch Dürreperioden weiter
abzusinken drohen. Auch zum Schutz vor Starkregen bietet die Stadt umfangreiche Informationen an, unter anderem eine Broschüre:PDF herunterladen
Beide Broschüren sind in Papierform in der Stadtverwaltung erhältlich.
Alle Kommunen sind für die Anpassung an Klimafolgen wie Starkregen, Hitze verantwortlich: die Bevölkerung und unsere Lebensumwelt müssen vor
Extremereignissen geschützt werden und Schäden minimiert werden (Bundes-Klimaanpassungsgesetz), im Sinne der Daseins-Vorsorge muss die öffentliche
Trinkwasserversorgung gewährleistet sein.
Daher wäre es ein großer Fehler, Selhof-Süd zu bebauen und die genannten Ressourcen dieses großen Areals zu vernichten.
