Selhof-Süd: Bürgerinitiative fordert Transparenz, Alternativenprüfung und breite Beteiligung

Bad Honnef. Die Bürgerinitiative „Grünes Band Bad Honnef“ hat bei einem gut besuchten Informationsabend über den aktuellen Stand der Planungen zur Zukunft der rund 28 Hektar großen Grün- und Freifläche Selhof-Süd informiert. Im Mittelpunkt standen die laufenden vorbereitenden Untersuchungen für eine mögliche städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM), offene Fragen zum Verfahren sowie mögliche Alternativen zu einer großflächigen Bebauung.

Die vorbereitenden Untersuchungen wurden Anfang 2024 vom Rat der Stadt Bad Honnef beschlossen. Sie sollen klären, ob die gesetzlichen Voraussetzungen für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme vorliegen. Dazu gehören unter anderem Untersuchungen zum Wohnraumbedarf, zu Grundstückswerten, Altlasten, Natur- und Klimaschutz sowie die Beteiligung der Grundstückseigentümer.

Aus Sicht der Bürgerinitiative sind zentrale Entscheidungsgrundlagen bislang nicht öffentlich nachvollziehbar. Zwar habe es eine Informationsveranstaltung für Eigentümer sowie einen Fragebogen gegeben. Unklar sei jedoch, wie viele Rückmeldungen vorliegen, wie diese ausgewertet werden und welche Bedeutung sie für das weitere Verfahren haben.

Auch die Ergebnisse der vorbereitenden Untersuchungen liegen der Öffentlichkeit noch nicht vor. Nach Gesprächen mit der Stadtverwaltung geht die Bürgerinitiative davon aus, dass Gutachten derzeit erstellt, zusammengeführt oder ausgewertet werden. Die Initiative fordert, dass alle entscheidungsrelevanten Unterlagen rechtzeitig veröffentlicht werden, bevor der Stadtrat über die Einleitung einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme entscheidet.

Besondere Bedeutung misst die Bürgerinitiative den Umwelt- und Klimafragen bei. Selhof-Süd sei nicht nur eine mögliche Baufläche, sondern ein wertvoller Freiraum mit Bedeutung für Biodiversität, Kaltluftentstehung, Naherholung und Regenwasserversickerung. Angesichts zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse müssten diese Funktionen umfassend untersucht und öffentlich bewertet werden.

Die Initiative betonte zugleich, dass sie sich nicht grundsätzlich gegen neuen Wohnraum stelle. Wenn zusätzlicher Wohnraum benötigt werde, müsse dieser Bedarf jedoch nachvollziehbar belegt werden – insbesondere mit Blick auf bezahlbaren, altersgerechten und familiengerechten Wohnraum. Vor einer Entscheidung über Selhof-Süd müssten außerdem flächenschonendere Alternativen geprüft werden, etwa Nachverdichtung, Baulücken, Umnutzung bestehender Gebäude und die Aktivierung ungenutzter Wohnflächen.

Auch mögliche finanzielle Folgen spielten auf dem Informationsabend eine wichtige Rolle. Die Bürgerinitiative fordert eine transparente Darstellung der Kosten und Risiken, die mit einer Entwicklung von Selhof-Süd verbunden wären. Dazu gehören Erschließung, Straßenbau, Kanalisation, Starkregen- und Hochwasserschutz, Verkehrsanbindung, Kita- und Schulplätze sowie langfristige Unterhaltungskosten.

Sollte der Stadtrat nach Abschluss der vorbereitenden Untersuchungen die Einleitung einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme beschließen, behält sich die Bürgerinitiative ein Bürgerbegehren als letztes Mittel vor. Vorrangiges Ziel bleibe jedoch, Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit frühzeitig in eine offene Debatte einzubeziehen.

Zum Abschluss rief die Bürgerinitiative dazu auf, sich aktiv einzubringen. Gesucht werden Unterstützerinnen und Unterstützer für Öffentlichkeitsarbeit, Informationsstände, Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern und die weitere Begleitung des Verfahrens.

Nach Auffassung der Bürgerinitiative darf die Zukunft von Selhof-Süd nicht hinter verschlossenen Türen entschieden werden. Bei einer Fläche dieser Größe brauche es Transparenz, nachvollziehbare Gutachten, eine ehrliche Alternativenprüfung und eine breite Beteiligung der Bürgerschaft.