Luxus statt Wohnraum – Bad Honnef baut am Bedarf vorbei

Bad Honnef hat ein Wohnungsproblem. Aber nicht, weil zu wenig gebaut wird, sondern weil am Bedarf vorbei gebaut wird. Das Mantra „mehr bauen schafft bezahlbaren Wohnraum“ hält einer genaueren Betrachtung nicht stand – auch nicht hier vor Ort.
Ein Blick auf abgeschlossene, laufende und geplante Projekte zeigt deutlich: Was realisiert wird, sind Luxusstandards, große Wohnungen, Tiefgaragen, hochwertige Ausstattung – und entsprechend hohe Kaufpreise und Mieten.
Bereits 2017 beschloss der Ausschuss für Stadtentwicklung, dass bei neuen Bauprojekten rund 25 Prozent bezahlbarer Wohnraum angestrebt werden sollen. Diese Quote war eine politische Selbstverpflichtung, rechtlich unverbindlich. Die Wirkung blieb entsprechend überschaubar, weil sie nicht konsequent eingefordert wurde – selbst dort nicht, wo es möglich gewesen wäre.

2023 folgte der nächste Schritt: Der Stadtrat verabschiedete neue Leitlinien für verantwortungsvolles Planen und Bauen. Sie klingen gut: Mindestens 30 Prozent öffentlich geförderter oder preisgedämpfter Wohnraum bei größeren Projekten, Klimagutachten, Energiekonzepte, Photovoltaik, mehr Transparenz. Ein Fortschritt – zumindest auf dem Papier. Denn auch diese Leitlinien sind nicht rechtsverbindlich. Sie sollen „Rahmen setzen“, haben aber noch kein einziges Bauvorhaben dieser Güte auf den Weg gebracht.

Nun wird Selhof-Süd als Modellprojekt verkauft: Endlich würden die Leitlinien mit Leben gefüllt. Doch genau hier kollidiert die schöne Theorie mit der Realität. Denn Selhof-Süd bedeutet die Bebauung von rund 28 Hektar Freifläche – ein Gebiet, das heute Frischluft liefert, Starkregen auffängt, Lebensraum für Arten ist und als Naherholung dient. In Zeiten von Hitze und Extremwetter ist das keine Luxusfunktion, sondern systemrelevante Daseinsvorsorge.

Selbst wenn alle Leitlinien eingehalten würden, bliebe das Projekt problematisch: klimatisch, landschaftlich und flächenmäßig. Eine sozial und ökologisch gute Stadtentwicklung braucht keinen derart massiven Eingriff in gewachsene Kulturlandschaft. Sie ist auch innerstädtisch möglich – durch Nachverdichtung, Umbau, Leerstandsmanagement und eine konsequente Anwendung der eigenen Regeln.

Das Framing „Modellgebiet Selhof-Süd“ ersetzt keinen Bedarfsnachweis. Es soll Akzeptanz schaffen für ein Projekt, das politisch gewollt ist, aber nicht alternativlos. Wer Selhof-Süd kritisiert, ist nicht gegen bezahlbaren Wohnraum. 

Im Gegenteil: Wir fordern, dass Bad Honnef zuerst zeigt, dass es seine eigenen Leitlinien im Bestand ernst nimmt, bevor weitere Freiräume geopfert werden.

Kurz gesagt: Leitlinien ja – Luxusbau und Flächenfraß nein. Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht durch mehr Beton, sondern durch politischen Willen.